Bereits die amerikanische Militärregierung beginnt mit der Entnazifizierung. Dazu muss ein umfangreicher Fragebogen ausgefüllt werden. Die französische Militärregierung führt dies fort. Beauftragt ist jeweils der Landrat. Die Kreisverwaltung richtet drei Säuberungsausschüsse ein: einen für Behörden, zwei für Wirtschaftsunternehmen, die ab April 1947 auch für die Behandlung der Anträge für die vorläufige Versorgung der Opfer des Nationalsozialismus zuständig sind. 1947 wird ein Untersuchungsausschuss für den Kreis geschaffen, der über Einsprüche urteilt.
Nach dem Ende des Nationalsozialismus soll Deutschland ein demokratischer Staat werden, auf allen Ebenen. Am 15. September 1946 finden im Kreis St. Wendel Gemeinderatswahlen statt, die dann ihre Bürgermeister und Beigeordneten wählen. Vorausgegangen ist die Neugründung von Parteien. Im Kreisgebiet erhält die Christliche Volkspartei (CVP) bei den Gemeinderatswahlen insgesamt 56 Prozent der Stimmen und stellt 40 Bürgermeister, die Sozialdemokratische Partei (SPS) 12 Prozent der Stimmen (acht Bürgermeister). Die Kommunistische Partei (KP) kann 4 Prozent (sechs Bürgermeister), verschiedene freie Listen 28 Prozent (19 Bürgermeister) auf sich vereinen. Eine demokratisch legitimierte Vertretung auf Kreisebene wird erst 1949 eingerichtet. Dies dann unter dem Nachfolger Strauß‘, denn dieser wird im Dezember 1946 durch die französische Militärregierung von seinem Posten enthoben. Spekuliert wird, seine Abberufung stehe im Zusammenhang mit seiner einstigen Tätigkeit als Amtsrichter in St. Wendel.