Sie sind überall, allgegenwärtig, mehr oder minder deutlich wahrnehmbar: Grenzen. Politisch, geologisch, sprachlich, auch kulturell oder persönlich können sie sein. Grenzen verbinden und trennen, sind starr und dynamisch. Grenzen gab und gibt es im und um das Sankt Wendeler Land viele. Daher war „Grenzen“ das Motto für den 2. Tag des Sankt Wendeler Landes am Sonntag, 10. November 2013, in der Freisener Bruchwaldhalle.
Podiumsdiskussion zum Thema "Grenzen"
Getreu dem Motto der Veranstaltung drehte sich eine Podiumsdiskussion um 13.30 Uhr um das Thema Grenzen. Nicht nur die verschiedenen historischen Grenzverläufe des Sankt Wendeler Landes wurden angesprochen. Auch aktuelle Grenzen sowie Grenzüberschreitungen waren Thema. Die Moderation übernahm der gebürtige Alsweiler Buchautor und Auslandskorrespondent Klaus Brill. An der Diskussion beteiligten sich die Heimatforscher Bernhard W. Planz und Hans Kirsch sowie Harry Hauch, Landkreis-Dezernent für Bildung, Kultur und Ehrenamt. Passend zum Motto „Grenzen“ saß neben Landrat Udo Recktenwald sein Birkenfelder Amtskollege Dr. Matthias Schneider im Podium.
Denn die beiden Landkreise arbeiten auf unterschiedlichen Ebenen zusammen, mit allen Vorteilen und Hürden, die eine grenzübergreifende Kooperation mit sich bringt. Grenzen überwinden, die Kräfte der beiden Landkreise bündeln, sich gegenseitig unterstützen, um so gemeinsam die Herausforderungen der Zukunft meistern zu können. In diesen Punkten waren sich die beiden Landräte während der Diskussion einig. Ein Beispiel sei, merkte Brill an, der Grenzgänger, das gemeinsame Magazin der beiden Landkreise. Recktenwald nannte zudem den damals geplanten Nationalpark, gemeinsame Unternehmertreffen und die Zusammenarbeit im Tourismus als weitere Felder grenzüberschreitender Kooperation. „Die ländlichen Regionen koppeln sich zunehmend von den Ballungsräumen, wie dem Rhein-Main-Gebiet, ab. Dies geht einher mit einem dramatischen Bevölkerungsschwund. Daher müssen wir gemeinsam unsere Stärken koordinieren“, mahnte Schneider an. „Die ländlichen Regionen müssen sich wirtschaftliche Nischen suchen und diese besetzen“, sagte Recktenwald.
„Die Landesgrenzen haben sich erst im Laufe der Jahrhunderte entwickelt, und oft hat der Wille der Bevölkerung bei der Grenzziehung keine Rolle gespielt“, erläuterte Bernhard W. Planz. Die gemeinsame Vergangenheit der beiden Landkreise mit den unterschiedlichen Grenzverläufen zeige dies. Und wirke bis heute, auf unterschiedlichen Ebenen, nach, wie der Regionalforscher Hans Kirch an einem Beispiel ausführte: „Das Ostertal, das erst 1947 an den Landkreis Sankt Wendel angegliedert wurde, bekommt seinen elektrischen Strom weiterhin aus Rheinland-Pfalz.“
Grenzüberschreitungen seien für Schüler heutzutage keine Hürden mehr, merkte Harry Hauch, Dezernent für Bildung, Kultur und Ehrenamt im Landkreis Sankt Wendel, an: „Früher war ein Schüleraustausch mit einer französischen Schule schon etwas besonders, heute pflegen unsere Schulen Partnerschaften zu Schulen in ganz Europa.“
Doch berge nicht die scheinbar mühelose Überwindung von Grenzen im Zeitalter der Globalisierung die Gefahr, die eigene Identität zu verlieren, wollte Brill wissen. „Wenn man das Eigene, die eigene Identität und Kultur kennt und schätzt, so stellen Grenzsprünge kein Problem dar“, sagte Planz. Denn andere achten könne man nur, wenn man sich selber achte. Recktenwald: „Global geht nicht ohne regional, geht nicht ohne die Rückbesinnung auf die eigene Identität.“ Hierbei leisten die Heimatvereine einen wichtigen Beitrag, denn sie sind bemüht, Heimatverbundenheit, Traditionsbewusstsein und Brauchtum zu fördern. Und ihnen ist der Tag des Sankt Wendeler Landes gewidmet.
Mundartgottesdienst und Vorträge
Die Veranstaltung begann um 10 Uhr mit einem Mundartgottesdienst unter Beteiligung des Gospelchores Oberkirchen und der Bosener Tanzgruppe La Volte. In einem Nebenraum der Halle referierte Bernhard W. Planz über „Grenzen im Alten Reich“ – denn, so der Studiendirektor, die heutigen Vorstellungen von Grenzen waren bis weit in die Neuzeit hinein nicht das, was heute gemeinhin darunter verstanden wird. Gerade im St. Wendeler Land. Der Mundartdichter Johannes Kühn, auch jenseits der Landkreisgrenzen kein Unbekannter, laß aus seinen Werken „Zu Ende die Schicht“ und „Em Guguck lauschdre“. Anschließend beschäftigte sich Hans Kirsch in einem Vortrag mit dem Anschluss von 13 Gemeinden an den Kreis St. Wendel im Juni 1947. Ferner gab es von Gisela Müller Mundartgedichte zu hören.
Fotowettbewerb
Eigens für den 2. Tag des Sankt Wendeler Landes schrieb der Landkreis einen Fotowettbewerb aus. Gesucht wurden die interessantesten Interpretationen des Mottos „Grenzen“ – eine Jury wählte die interessantesten Beiträge aus, die während der Veranstaltung prämiert wurden. Den musikalischen Abschluss des 2. Tages des Sankt Wendeler Landes bildete das Hasborner Ensemble Die Brühllerchen mit einem bunten Potpourri.
Ganztags präsentierten sich die Vereine an zahlreichen Ständen. Neben dem Mittagessen ab 12 Uhr gab es auch Kaffee und Kuchen, angeboten von den Landfrauen des Kreises.