Landrat Udo Recktenwald am Schreibttisch sitzend.

Kolumne des Landrats

Landrat Udo Recktenwald informiert jeden Monat über das Neueste aus dem Landkreis

Ausgabe Oktober 2026

Liebe Leserinnen und Leser,

dass wir die Auswirkungen des Klimawandels immer stärker spüren, steht außer Frage. Lange Hitzeperioden, Extremwetterereignisse, Überschwemmungen werden in Zukunft eher zu- als abnehmen. Darauf müssen wir vorbereitet sein. Und das macht der Landkreis Sankt Wendel bereits seit einigen Jahren.

Daher bin ich dankbar, dass während der jüngsten Sitzung unseres Kreistags CDU und SPD gemeinsam einen Antrag eingebracht haben, der zum einen die Verwaltung des Landkreises in ihrer Arbeit stärkt, zum anderen diese motiviert, den eingeschlagenen Weg noch konsequenter zu gehen. Denn es ging um die Themen Hitzeschutz, Klimaanpassung und Starkregenvorsorge. Denn der Kreistag hat die Verwaltung beauftragt, eine Bestandsaufnahme aller Maßnahmen, Programme und Initiativen in diesen Themenbereichen zu erstellen; diese Bestandsaufnahme soll dann die Basis für das weitere Vorgehen bilden. Auf den Prüfstand gestellt werden auch die Zuständigkeiten und Strukturen der Verwaltung, die gegebenenfalls optimiert werden sollen. Geprüft werden soll zudem, wie der Landkreis seine Kommunen noch stärker unterstützen kann sowie welche Förderprogramme auch für private und gewerbliche Maßnahmen zur Verfügung stehen.

Bereits seit einem Jahr setzen wir gemeinsam mit dem Landkreis Neunkirchen und dem Saarpfalz-Kreis das Pilotprojekt „Klimagefahrenabwehrsystem Blies“ (KliGAS) um. Dabei geht es um den Aufbau eines Warnsystems bei Starkregen- und Hochwasserereignissen. KliGAS soll Niederschlagsmengen und somit Gefahren vorhersagen und so frühzeitige Warnungen und Maßnahmen wie Sperrungen oder Evakuierungen ermöglichen. Dieses Pilotprojekt besteht aus mehreren Stufen: In einem ersten Schritt wurde in jedem Landkreis ein Frühwarnsystem aufgebaut, gespeist aus verschiedenen Datensätzen. Dies bildet die Grundlage für die zweite Stufe, die nun umgesetzt wird und die der Kreistag einstimmig genehmigte: Das Frühwarnsystem wird umfassend erweitert, unter anderem durch eine Überflutungsflächenprognose. Dazu werden wir die Zusammenarbeit mit den beiden beteiligten Landkreisen intensivieren. In der dritten Stufe soll unser Pilotprojekt dann auf das gesamte Saarland übertragen werden.

Ein weiteres Projekt, das Klimaanpassung im Fokus hat, heißt „Climate Risk Assessment im Landkreis Sankt Wendel“ (CLiRAs-WND). Das Projekt ist Teil des EU-Horizon-Forschungsprojekts CLIMAAX und wird entsprechend durch die Europäische Union gefördert. 67 Regionen aus 24 europäischen Ländern nehmen daran teil, unser Landkreis ist der einzige deutsche Vertreter. CLiRAs soll helfen, Klimarisiken besser zu erkennen, zu bewerten und zu bewältigen. Dabei werden die Risiken identifiziert, analysiert und mit verschiedenen Daten abgeglichen. Darauf aufbauend erarbeiten wir entsprechende Strategien und Maßnahmen. Dies natürlich gemeinsam mit vielen Akteuren wie den Kommunen, den Blaulichtorganisationen und weiteren Institutionen.

Zu den Klimaanpassungsmaßnahmen gehört auch das EU-Projekt ADAPT. Hierbei geht es um Abminderungs- und Anpassungsstrategien bei Überhitzung und Hitzestress in besonders sensiblen Einrichtungen wie KiTas, Schulen und Pflegeheimen. Konkret testen wir in verschiedenen Einrichtungen 30 CoMoS-Stationen. Dies sind leistungsstarke Messgeräte, die verschiedene Klimadaten sammeln. Diese Daten werden an einen zentralen Server übermittelt. Sobald gewisse Schwellenwerte erreicht werden, gibt es automatische Warnungen, sodass schnell reagiert werden kann. ADAPT ist aber mehr als ein Frühwarnsystem: Die gesammelten Daten sollen helfen, konkrete Anpassungsstrategien umzusetzen. Aktuell läuft die Testphase. Ziel ist es, das Projekt weiter auszubauen und auszuweiten.

Im Landkreis Sankt Wendel bündeln wir übrigens bereits seit 2010 unsere Klimaschutzaktivitäten in unserer bereits mehrfach ausgezeichneten Klimaschutzinitiative. Unsere Ziele: Klimaschutz durch die Reduzierung der Treibhausgase, Förderung der heimischen Wirtschaft durch einen regionalen Energiemix und Steigerung der regionalen Identität durch die Teilhabe der Bevölkerung. Wir wissen, dass wir hier im Sankt Wendeler Land den Klimawandel nicht aufhalten werden. Wir sind uns aber unserer Verantwortung für die Schöpfung und unsere Bürgerinnen und Bürger mehr als bewusst. Daher bündeln, optimieren und passen wir unsere Bemühungen ständig an. Koordiniert, abgestimmt, gemeinsam. Zum Wohle unserer Region.
Ihr Landrat
Udo Recktenwald

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