Liebe Leserinnen und Leser,
eine regelmäßig fortgeschriebene Krankenhausplanung soll eine flächendeckende stationäre Krankenhausversorgung sicherstellen und ist Sache der Länder. Schließlich gehört eine angemessene medizinische Versorgung zur Daseinsvorsorge. Dazu gehören natürlich Erst- und Notfallversorgung, aber auch weitere spezialisierte Leistungen. Angemessen meint dabei, dass die Gleichwertigkeit der Lebensverhältnisse gewahrt bleibt: Überall im Land muss die Versorgung ungefähr gleich sein. Aktuell arbeitet das saarländische Gesundheitsministerium an der Krankenhausplanung für die kommenden Jahre. Dabei hat das Gesundheitsministerium eine Forderung aufgenommen, die wir im Landkreis Sankt Wendel bereits seit Jahren stellen: die Stärkung des Krankenhausstandortes St. Wendel. Dies bedeutet aber keinesfalls, wie hier und da zu hören und zu lesen ist, eine Schwächung anderer Standorte. Ganz im Gegenteil: Wenn, so wie es das Ministerium vorsieht, die Versorgung im Landkreis Neunkirchen auf die Kreuznacher Diakonie als Träger und im Landkreis Sankt Wendel auf die Marienhaus-Gruppe konzentriert wird, macht dies beide Standorte zukunftsfähig und sichert die Versorgung in beiden Landkreisen. Dabei ist etwa die Verlagerung von Geburtshilfe, Gynäkologie und Pädiatrie nach St. Wendel der logische Folgeschritt, was übrigens unser Kreistag bereits vor zwei Jahren forderte. Denn dies würde das noch vorherrschende Ungleichgewicht in unserem Bundesland ausgleichen, denn es gibt ein Überangebot im Süden – Neunkirchen, Homburg, Saarbrücken – und keine Geburtshilfe im Norden. Für die Stärkung des Marienkrankenhauses haben sich jüngst alle verantwortlichen Amts- und Mandatsträger aus dem Landkreis Sankt Wendel ausgesprochen und ein klares Bekenntnis des Trägers zu unserem Standort gefordert. Auch ist der Landkreis bereit, sich im Zusammenhang mit der Kinderklinik finanziell an der Stärkung des Standortes zu beteiligen. Wir tragen Verantwortung für unsere Bürgerinnen und Bürger, für unsere Region und erwarten, dass die Krankenhausplanung möglichst bald abgeschlossen und darin die Stärkung unseres Marienkrankenhauses in St. Wendel verankert wird.
In unserem Landkreis hat die Wehr- und Rüstungsindustrie eine lange Tradition und eine tragende Säule unserer regionalen Wirtschaft mit hochwertigen Produkten und Arbeitsplätzen. Durch die leider unruhige Weltlage wird sie immer wichtiger – für uns vor Ort, für die Sicherheitsarchitektur unseres Landes und Europas. Zu unseren Werken zählen das Heeresinstandsetzungswerk in St. Wendel, KNDS in Freisen und Diehl Defence in Nonnweiler. Jüngst wurde in Nonnweiler ein neues Produktionsgebäude eingeweiht. Anfang März habe ich gemeinsam mit dem Geschäftsführer unserer Wirtschaftsförderungsgesellschaft Diehl Defence besucht. In den beiden Werken am Standort Nonnweiler sind momentan rund 800 Menschen beschäftigt. Bis 2028 sollen es bis zu 1200 sein. Eine weitere Erweiterung der Produktion sei in Planung. Auch KNDS in Freisen will die Produktionsfläche erweitern. Dies bedeutet: mehr Arbeitsplätze, mehr Steuereinnahmen. Dafür möchte KNDNS aber auch den Bahnhof Schwarzerden mit dem dazugehörigen Teil der Bahnstrecke der Ostertalbahn erwerben. Hier, auf der Ostertalbahn, verkehrt seit 2001 ein Museumszug mehrmals im Jahr. Der Landkreis hatte die Teilstrecke 1999 von der Deutschen Bahn für 25 Jahre gepachtet. Der Pachtvertrag verlängert sich automatisch jeweils um ein Jahr, sofern keine Kündigung ausgesprochen wird. Eine Kündigung wäre aber nur der erste Schritt, denn dem folgt ein Stilllegungsverfahren, das unter Umständen mehrere Jahre dauern wird. Der Landkreis steht den Erweiterungsplänen der KNDS positiv gegenüber. Mit allen Beteiligten diskutieren wir gerade, wie dies bewerkstelligt werden und die Zukunft der Ostertalbahn aussehen könnte.
Ihr Landrat
Udo Recktenwald