Liebe Leserinnen und Leser,
seit dem 1. Januar 2008 bin ich Landrat des Landkreises Sankt Wendel. Seit 18 Jahren setze ich mich mit Herzblut und Leidenschaft für unsere Heimat, das Sankt Wendeler Land, ein. In drei Jahren, 2029, wird meine Nachfolge gewählt, ich scheide altersbedingt aus dem Amt. In den mir verbleibenden drei Jahren möchte ich weiterhin voller Elan, aber auch mit Demut und Realitätssinn unseren Landkreis gemeinsam mit Ihnen gestalten. Unter dem Slogan „Agenda 2029“ habe ich zusammengefasst, welche Herausforderungen uns erwarten und welche Themen mir besonders wichtig sind.
Vorneweg: Viele dieser Themen sind nicht neu. Vielmehr sind es vor allem Prozesse, die bereits seit längerer Zeit laufen, Entwicklungen, die wir angestoßen haben und an denen wir kontinuierlich in den kommenden drei Jahren zum Wohle unserer Bürgerinnen und Bürger weiterarbeiten werden. Zur Wahrheit gehört aber auch, dass die kommunale Ebene in unserem Land, die Kreise und Gemeinden, vor dem finanziellen Kollaps stehen. Der Grund ist leicht nachvollziehbar: Immer mehr Gesetze und Verordnungen bedeuten immer mehr Aufgaben für die Kommunen, die entsprechend immer mehr Geld kosten. Jedoch gibt es dafür keine ausreichende finanzielle Entschädigung vonseiten des Landes oder Bundes. Wir müssen somit dringend die Aufgabenverteilung zwischen Bund, Land und Kommunen überdenken, Bürokratie abbauen, auch die zum Teil sehr hohen Standards in unserem Land senken. Und so Handlungsspielräume für unsere Kommunen zurückgewinnen – und damit auch Vertrauen in unsere Demokratie. Denn die um sich greifende Demokratieverdrossenheit hat auch ihre Ursache in mangelhafter Handlungsfähigkeit der kommunalen Ebene.
Daher ist es mir in den kommenden drei Jahren ein wichtiges Anliegen, unsere Demokratie und Zivilgesellschaft zu stärken, Vertrauen für unsere freiheitlich-demokratische Grundordnung zurückzugewinnen. Zeitgleich aber auch an das Verantwortungsbewusstsein eines jeden einzelnen zu appellieren: Es ist der Kompromiss, nicht der Konflikt, der die demokratische Entscheidungsfindung auszeichnet.
Wichtige Punkte meiner „Agenda 2029“ sind zudem der Ausbau der Digitalisierung und des Bevölkerungsschutzes, die Förderung der nachhaltigen Regionalentwicklung, eines sanften Tourismus, von Klimaschutz und Nachhaltigkeit. Hierbei dürfen wir auch größer denken: Ich befürworte beispielsweise den Aufbau einer Energie-Gesellschaft in unserer Region. So wird die vor Ort erzeugte regenerative Energie vor Ort verbraucht – und so bleibt auch die Wertschöpfung in unserer Heimat.
Fortgeschrieben werden soll die Erfolgsgeschichte unserer Wirtschaftsförderungsgesellschaft. Denn sie ist elementar für unsere ländliche Region mit einer gesunden Wirtschaftsstruktur: Wir verfügen insbesondere über klein- und mittelständische Unternehmen, aber auch über einige „Big Player“ – und insbesondere unsere Wehrindustrie hat in den vergangenen Jahren enorm an Bedeutung gewonnen. Wir werden unsere Betriebe und Unternehmen weiterhin aktiv unterstützen und so für gute Arbeitsplätze in unserer Heimat sorgen.
Auch die Themen Bildung und Soziales sind selbstverständlich Teil der „Agenda 2029“. Ein Familienstärkungskonzept wird erarbeitet, Inklusion und Ehrenamt gefördert, in Schulen und Kindertagespflege investiert. Eine Agenda für alle Generationen.
Es gibt viel zu tun! In den kommenden drei Jahren werde ich weiter intensiv an der Entwicklung unseres Landkreises arbeiten, mich für die Interessen unseres Landkreises auf allen Ebenen einsetzen – damit meine Nachfolge einen Landkreis übernehmen kann, auf den wir alle mit Stolz blicken können.
Ihr Landrat
Udo Recktenwald