Liebe Leserinnen und Leser,
im Dezember verabschiedete der Kreistag den Haushalt des Landkreises Sankt Wendel für das Jahr 2026. Ein Rekordhaushalt: Das Gesamtvolumen beträgt 209 Millionen Euro – das bisher höchste Haushaltsvolumen in der Geschichte des Landkreises und ein Plus von 25 Millionen im Vergleich zu 2025. Die Kreisumlage – das Geld, das der Landkreis von seinen Gemeinden je nach Wirtschaftskraft erhält – liegt bei 99 Millionen; von jedem Euro müssen die Gemeinden 63 Cent abführen. Dies ist der zweithöchste Umlagesatz in der Historie des Landkreises. Hauptursache für diese Entwicklung sind exorbitant steigende Sozialleistungen, die den Haushalt belasten: 2026 betragen sie 128,63 Millionen Euro. Auf die Bevölkerung des Landkreises umgerechnet, erhält jeder Einwohner rein rechnerisch 1.146,78 Euro an Sozialleistungen. In diesem Betrag sind die Overheadkosten – also indirekte Kosten, die durch die Verwaltungstätigkeit anfallen – nicht einberechnet. Die Sozialleistungen steigen vor allem, weil der Bund mit immer neuen Gesetzen neue Aufgaben und Standards für die Kommunen schafft, ohne dass die Kommunen einen entsprechenden finanziellen Ausgleich erhalten.
Allgemein tragen die Kommunen 29,7 Prozent der gesamtstaatlichen Ausgaben, haben aber nur einen Anteil von 13,9 Prozent an den öffentlichen Steuereinnahmen. Dass dies nicht gut gehen kann, liegt auf der Hand. Der Landkreis Sankt Wendel verfügt über keine Steuereinnahmen, muss seine Ausgaben somit vor allem über die Kreisumlage finanzieren. Hinzu kommen Zuweisungen vom Land: Das Kommunalfinanzausgleichsgesetz regelt im Saarland den Anteil, den die Gemeinden und Landkreise aus Steuereinnahmen des Landes erhalten. Der zur Verfügung stehende Betrag für alle Kommunen im Saarland ist aufgrund sinkender Steuereinnahmen geringer als im vergangenen Jahr, sodass auch der Landkreis Sankt Wendel 2026 rund eine halbe Million Euro weniger erhält. Als Teil des kommunalen Finanzausgleiches erhalten Kommunen vom Land auch über so genannte Schlüsselzuweisungen Geld. Ein komplexes Berechnungsverfahren, das die finanzielle Leistungsfähigkeit der Kommunen betrachtet, bestimmt dabei die Anteile der Kommunen. Erstmal in der Geschichte erhält der Landkreis Sankt Wendel keine Schlüsselzuweisungen des Landes. 2025 erhielten wir noch knapp 5 Millionen Euro Schlüsselzuweisungen. Vereinfacht gesagt: Weil die Finanzkraft unserer Kommunen gestiegen ist, bekommt der Landkreis 2026 keine Schlüsselzuweisungen. Andererseits müssen unsere Gemeinden über die Umlage mehr Geld an den Landkreis überweisen.
Die Situation ist dramatisch. Nicht nur im Landkreis Sankt Wendel. Landauf, landab stehen die Kommunen vor dem finanziellen Kollaps. Das Finanzierungssystem muss dringend reformiert werden – bevor es zu spät ist. Denn hier steht auch das Prinzip der kommunalen Selbstverwaltung auf dem Spiel!
Trotz der angespannten Lage und aller Sparbemühungen investiert der Landkreis 2026 insbesondere in seine Schulen: Am sozial-pflegerischen Berufsbildungszentrum bauen wir eine Akademie für ErzieherInnen, am Gymnasium Wendalinum eine Einfeld-Sportanlage, an der Gemeinschaftsschule Schaumberg-Theley einen Erweiterungsbau, an der Gemeinschaftsschule Türkismühle eine Sporthalle mit Klassen- und Funktionsräumen. Am Katastrophenschutzzentrum entsteht mit Unterstützung durch das Innenministerium ein Schulungszentrum, für den Bau der Sporthalle in St. Wendel steht ebenfalls Geld im Kreishaushalt zur Verfügung.
Es sind herausfordernde Zeiten. In vielen Belangen. Blicken wir dennoch optimistisch in die Zukunft. Packen wir gemeinsam für unser Sankt Wendeler Land an. Ich wünsche ihnen ein glückliches neues Jahr!
Ihr Landrat
Udo Recktenwald