Kolumne

Der Landrat informiert jeden Monat über das Neuste aus dem Landkreis

November 2019

Liebe Bürgerinnen und Bürger,

seit 2009 erinnert der Landkreis St. Wendel jährlich am 9. November mit einer Kranzniederlegung am einstigen Standort der St. Wendeler Synagoge in der Kelsweilerstraße 13 an die Novemberpogrome 1938. In diesem Jahr um 15 Uhr. Vor 81 Jahren wurden im gesamten Deutschen Reich Synagogen geschändet, geplündert und angezündet, jüdische Mitbürger verhöhnt und inhaftiert. Auch im Kreis St. Wendel. In fünf Orten – in St. Wendel, Tholey, Sötern, Bosen und Gonnesweiler – fanden Ausschreitungen gegen die jüdische Bevölkerung und gegen jüdisches Eigentum statt. Die Synagoge in St. Wendel wurde am 10. November 1938 von SS-, SA- und NSDAP-Mitgliedern geschändet und in Brand gesteckt. Die jährliche Kranzniederlegung ist ein Bestandteil der Erinnerungskultur im Landkreis St. Wendel, die sich mit den Schrecken der NS-Zeit auseinandersetzt, die aufklärt, informiert und den Opfern würdig gedenkt. Die diesjährige Kranzniederlegung widmen wir den Opfern von Halle. Dieser fürchterliche Anschlag gilt uns allen. Und wir alle sind aufgefordert, Gesicht zu zeigen. Es gilt gerade jetzt, die Ursachen von Hass und Intoleranz intensiver zu erforschen und zu bekämpfen, die Erinnerungsarbeit zu stärken, unsere demokratische Grundordnung zu verteidigen.

Das St. Wendeler Land ist eine lebens- und liebenswerte Heimat – und soll es bleiben! Schließlich stehen wir vor großen Herausforderungen: demografischer Wandel, Digitalisierung, Globalisierung, Individualisierung, Leerstände, das Wegbrechen von Infrastruktur. All dies hat erhebliche Auswirkungen auf das dörfliche Gemeinwesen und das soziale Miteinander. Daher haben wir uns im Landkreis St. Wendel einer nachhaltigen Regionalentwicklung verschrieben. Gemeinsam mit den Bürgermeistern, vielen gesellschaftlich relevanten Partnern und den Bürgerinnen und Bürgern entwickeln wir vernetzt und im engen Austausch Projekte, setzen Maßnahmen um. Denn nur gemeinsam können wir die Herausforderungen meistern. Ein Experimentierfeld, Projekte zur Entwicklung des ländlichen Raumes anzustoßen, auszuprobieren, ist das Bundesmodellvorhaben „Land(auf)Schwung“ des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft. Als einer von 13 Landkreisen bundesweit hatte sich der Landkreis St. Wendel erfolgreich um „Land(auf)Schwung“-Fördermittel beworben. Zwischen Juli 2015 und Dezember 2019 fließen insgesamt rund 2,84 Millionen Euro in unsere Region. Das Besondere: Die Akteure vor Ort entscheiden über die Vergabe des Geldes, entwickeln Ideen und Konzepte. Insgesamt 42 Projekte haben wir im St. Wendeler Land realisiert, die insbesondere die regionale Wertschöpfung stärken und die Daseinsvorsorge sichern. In zwei Kongressen haben wir Bilanz gezogen: Der Kongress „Dorf hat Zukunft“ stellte die „harten“ Erfolgsfaktoren unserer Regionalentwicklung, die Erkenntnisse aus zahlreichen einzelnen Projekten, vor allem im Hinblick auf die Übertragbarkeit auf andere Dörfer, vor. „Ehrenamtliches Engagement im ländlichen Raum“ lautete der Titel des zweiten Kongresses, der die „weichen“ Faktoren vorstellte, die wichtigsten „Land(auf)Schwung“-Projekte im Bereich Ehrenamt, ihre Ergebnisse und ihre geplante Weiterentwicklung. Unsere Erkenntnis aus dem „Land(auf)Schwung“-Prozess: Die Entwicklung des ländlichen Raumes ist ein langfristiger Prozess, der nicht in Förderperioden gedacht und abgewickelt werden kann. Regionalentwicklung braucht Zeit, Geld, Akteure und ist eine Daueraufgabe, um unseren Dörfern eine Zukunft zu ermöglichen. Dafür ist auch ein Umdenken notwendig: Regionalentwicklung braucht ein Regionalbudget des Bundes und des Landes und muss zugelassene Aufgabe der Kreise werden! Dafür setzen wir uns ein.

Zum nunmehr 7. Mal richtet die Betriebssportgruppe des Landkreises St. Wendel das traditionelle Hallenfußballturnier der saarländischen Landkreise und des Regionalverbandes Saarbrücken aus: am Freitag, 8. November, ab 13 Uhr im St. Wendeler Sportzentrum. Neben den Betriebssportgruppen der Landkreise und des Regionalverbandes stellen auch die Kreisstadt und die Wasser- und Energieversorgung Kreis St. Wendel eine Mannschaft. Spannende Spiele sind garantiert. Der Eintritt ist frei!


Ihr Landrat
Udo Recktenwald