Der Ort gegen das Vergessen am Panoramaweg in St. Wendel wurde in den vergangenen Wochen mehrfach mit Kot beschmiert. Die Gedenkstätte – eine Stele mit zwei Sitzbänken – erinnert an das einstige jüdische Leben im Sankt Wendeler Land. Dieses Leben wurde durch die Nationalsozialisten ausgelöscht. Es ist einer von insgesamt sieben Orten gegen das Vergessen im Landkreis Sankt Wendel, errichtet durch den Landkreis Sankt Wendel und das Adolf-Bender-Zentrum.
Udo Recktenwald, Landrat des Landkreises Sankt Wendel: „Schmierereien, Vandalismus, Beschmutzungen von Orten, die dem Gedenken an die Opfer der nationalsozialistischen Barbarei gewidmet sind, sind keine dummen Streiche, sondern gezielte Angriffe auf unsere Grundwerte, auf unsere historische Erinnerung und Verantwortung. Auf die Fundamente unserer Gesellschaft, die wir entschieden verteidigen. Und dies ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe. Eine Aufgabe, der sich auch der Landkreis Sankt Wendel stellt: Gemeinsam mit vielen Partnern, darunter dem Adolf-Bender-Zentrum, arbeiten wir am Ausbau einer verantwortungsvollen Erinnerungskultur in unserer Heimat bei, wir unterstützen demokratische Projekte, stehen auf gegen Antisemitismus, Hass und Hetze. Dass dies immer wichtiger wird, beweisen nicht zuletzt die zunehmenden Attacken auf Gedenkorte – bundesweit und leider auch hier bei uns. Von hirnlosem Vandalismus lassen wir uns davon auch nicht abhalten – ganz im Gegenteil!“
Seit 2021 erfasst die Recherche- und Informationsstelle Antisemitismus (RIAS) Saarland in Trägerschaft des Adolf-Bender-Zentrums in St. Wendel antisemitische Vorfälle im ganzen Saarland. Dabei wurden auch immer wieder Vorfälle in St. Wendel dokumentiert. Seit Januar 2026 wurden RIAS Saarland 10 Fälle bekannt, in denen die Gedenkstele am Panoramaweg mit Kot beschmiert wurde. „RIAS beobachtet bundesweit eine zunehmende Anzahl von Angriffen auf Gedenkorte. Der aktuelle Fall in St. Wendel zeigt durch die stetige Wiederholung und die öffentliche Zugänglichkeit des Ortes, an dem die Tat begangen wurde, eine sinkende Hemmschwelle für antisemitische Taten. Der Fall zeigt ein Bedürfnis nach Erinnerungsabwehr. Das Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus wird verhöhnt“, kommentiert Projektleiterin Petra Melchert. „Positiv ist das engagierte Handeln der Zivilgesellschaft in diesem Fall. Mehrere Passantinnen und Passanten haben die Vorfälle gemeldet, den Stein gereinigt und ihre Empörung zum Ausdruck gebracht. Auch das Ablegen von Blumen und Kerzen zeigt, dass an diesem Ort aktives Gedenken stattfindet. Es ist wichtig, dass Menschen nicht wegschauen und sich aktiv gegen Antisemitismus engagieren“, sagt Melchert abschließend.
Die Beschmutzungen der Gedenkstätte wurden angezeigt, der Staatsschutz ermittelt.
Kontakt RIAS Saarland: Tel. (06851) 80 82 79 1, E-Mail: info@rias-saarland.de
